„Am Anfang dachte ich einfach nur: Was lasse ich weg?“
Als ich 2018 angefangen habe, mich vegan zu ernähren, habe ich erstmal das gemacht, was viele machen: Ich habe Fleisch, Käse und andere tierische Produkte weggelassen oder, so damals im Supermarkt vorhanden, ersetzt.
Thaicurry ohne Hähnchen? Vegan. Nudeln mit Tomatensoße? Vegan. Gemüsepfanne? Vegan.
Irgendwann habe ich verstanden: Vegane Ernährung funktioniert langfristig nicht nur übers Weglassen — sondern über Verständnis.
Warum viele beim Thema vegane Proteine scheitern
Genau das begegnet mir immer wieder in meinen Kochkursen oder Gesprächen: Menschen haben vegan ausprobiert oder möchten sich pflanzlicher ernähren – hören aber irgendwann auf, weil sie das Gefühl haben, ihren Proteinbedarf nicht richtig abzudecken.
Die eine sagt: „Ich habe vegan ausprobiert, aber aufgehört, weil mir das mit den Proteinen zu kompliziert war.“
Die andere kämpft im Familienalltag damit, genug proteinreiche Mahlzeiten einzubauen.
Wieder andere sind sportlich aktiv oder wollen abnehmen und merken plötzlich: Einfach nur Gemüse essen reicht eben nicht immer.
Die Frage nach Protein ist absolut berechtigt
Warum unser Körper Proteine braucht
Viele denken bei veganer Ernährung zuerst an Verzicht. Kein Fleisch. Keine Milchprodukte. Keine Eier. Und dann kommt fast sofort die nächste Frage: „Aber woher bekommst du denn deine Proteine?“
Ganz ehrlich?
Diese Frage ist absolut berechtigt. Denn Proteine sind wichtig. Nicht für irgendeinen Fitness-Hype, sondern für unseren Körper:
- Muskeln
- Organe
- Immunsystem
- Hormone
- Zellaufbau
- Regeneration
Unser Körper braucht Eiweiß.
Der entscheidende Perspektivwechsel
Früher dachte ich: „Was gibt es zum Fleisch dazu?“
- Schnitzel mit Kartoffelsalat
- Schaschlik mit Pommes
- Braten mit Knödel, Steak mit Bratkartoffel
- Nudeln mit Hackfleischsauce
- Lachs-Sahne-Auflauf
Heute denke ich: „Welche Proteinquelle bildet die Basis meines Essens?“
Pflanzliche Proteine clever kombinieren
Proteine bestehen aus Aminosäuren. Einige davon kann unser Körper nicht selbst bilden. Deshalb müssen wir sie über die Ernährung aufnehmen. Tierische Produkte machen es uns oft leicht, weil sie alle essenziellen Aminosäuren direkt mitbringen. Bei pflanzlicher Ernährung ist nicht ein einzelnes Lebensmittel immer „die perfekte Lösung“, sondern oft die passende Kombination über den Tag.
Einfache Kombinationen für deinen Alltag
- Bohnen + Mais
- Kartoffeln + Hülsenfrüchte
- Hummus + Brot
- Tofu + Reis + Gemüse
- Linsen + Getreide
- Tempeh + Ofengemüse
- Nüsse + Haferflocken
Und plötzlich entsteht aus ganz normalen Lebensmitteln eine richtig gute pflanzliche Basis.
So sieht eine proteinreiche vegane Mahlzeit bei mir aus

Wie unkompliziert das aussehen kann, zeigt eine meiner Lieblingskombinationen:
- 100g Quinoa
- 100g rote Linsen
- 100g Cashewbruch
- 400g Pak Choi / Spinat / Mangold
- 1 Orange
- 1 EL Tahini
- 1 kleine Knoblauchzehe
- Salz, Pfeffer, Muskatnuss, Chili-Flocken
- 1 Block Tofu
- Etwas Speisestärke
- Öl zum Anbraten (geschmacksneutral, Erdnuss oder Sesam)
Zubereitung
- Quinoa & Linsen nach Packungsanweisung zubereiten
- Die Nüsse anrösten und abkühlen lassen.
- Gemüse waschen, ggfs. kleinschneiden und in etwas Pflanzenöl anbraten.
- Die Orange auspressen und mit dem Tahini, einer geriebenen Knoblauchzehe und den Gewürzen zu einem Dressing vermengen.
- Den Tofu in fingerdicke Streifen schneiden, in etwas Speisestärke wenden und in Öl goldbraun anbraten.
- Alle Zutaten zu einer leckeren Bowl anrichten
Ich habe dabei nicht das Gefühl von „Verzicht“, sondern richtig gutes Essen.
Vegane Ernährung wird einfacher, wenn man sie versteht
Das war für mich der Wendepunkt: Weg vom Gedanken des Verzichts – hin zum Verständnis dafür wie ich Mahlzeiten zusammensetzen kann, die sättigen, schmecken und meinen Körper wirklich versorgen.
Denn vegane Ernährung bedeutet für mich nicht Dinge wegzulassen. Sondern zu verstehen, wie Ernährung funktioniert.
Wenn du einmal verstanden hast:
- welche Lebensmittel Protein liefern
- wie du Gerichte kombinierst
…dann wird pflanzliche Ernährung plötzlich viel einfacher.






